Mitschrift der Treffen der Arbeitsgruppe Öffentlicher Raum vom 15.11. / 20.12.2001
"...das Forum (soll)
nicht in Konkurrenz zu der Stadtverwaltung oder sonstigen bestehenden Institutionen
stehen, sondern vielmehr eine Plattform zur Bündelung der einzelnen Initiativen
und Aktionen bereits bestehender Gruppierungen in der Stadt Stuttgart dienen.
Rasch konnte auch hier ein Konsens erreicht werden, dass sich das Themenspektrum
des Forums nicht auf tagesaktuelle Themen beschränken sollte..."
Der Öffentliche Raum bietet sich als ein Beschäftigungsthema innerhalb des Stadtplanungsforums an. Dies kann durch die breite Mischung an persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen ganz allgemein und grundsätzlich geschehen aber auch auf der Grundlage laufender Planungen oder vorhandener Projekte. Die Stadt Stuttgart hat zum Thema eine Studie in Auftrag gegebenen mit dem Projekttitel "Plätze, Parks und Panoramen". Im Zentrum stand die Entwicklung eines Programms zur Förderung und Verbesserung des Öffentlichen Raumes in Stuttgart sowie die Erarbeitung möglicher Konzeptionsansätze. Jochem Schneider und Christine Baumgärtner stellten das Projekt kurz vor.
Allgemeines zur Einführung
Der Öffentliche Raum prägt wesentlich das Bild und Image einer Stadt. Diese
Bedeutung zeigt sich auch an der zunehmenden Präsenz des Themas in Fachbeiträgen
und -diskussionen. Ein in seiner Nutzung und Gestaltung vielfältiger städtischer
Lebensraum trägt maßgeblich zur örtlichen Attraktivität und Bildung einer Stadtkultur
bei. Diese Qualität ist mittlerweile auch zu einem entscheidenden "weichen"
Standortfaktor für den wirtschaftlichen Sektor geworden.
Erste Assoziationen zum Thema Öffentlicher Raum sind meist die klassischen Plätze. Der Öffentliche Raum ist jedoch mehr als nur der klar begrenzte Platzraum, der vielfach als imageträchtiges Aushängeschild begriffen und benutzt wird. Jenseits der punktuellen Betrachtung ist der Öffentliche Raum ebenso der Raum dazwischen (der Zwischenraum), der Verbindungsraum, der Verkehrsraum, der Landschaftsraum... Das bedeutet auch, dass Öffentlicher Raum nicht nur durch die ihn umgebende statische Baukulisse gebildet und geprägt wird, sondern auch durch seine Funktion als Bewegungs- und Handlungsraum für die vielfältige Stadtgesellschaft. Ein reiches kulturelles Leben im Öffentlichen Raum ist eine wesentliche Grundlage für Urbanität. In manchen Fällen hat die Steigerung an Handlungsmöglichkeiten und damit an Aufenthaltsqualität die Kraft auf die umgebende Bebauung und deren Nutzung zu wirken, Bsp. Schwouburgplein in Rotterdam. Dafür braucht es die entsprechenden Strategien und Ansätze. Europäische Beispiele für Programme für den Öffentlichen Raum sind u.a. Rotterdam, Barcelona oder Lyon; nationale Beispiele für städtebauliche Planungskultur sind u.a. Ulm oder Hamburg.
Der Öffentliche Raum
in Stuttgart
Um einen aktuellen Gesamtüberblick den Öffentlichen Raum in Stuttgart zu erhalten,
scheint es hilfreich das Thema in vier Betrachtungsfelder zu gliedern. Drei
räumliche, ortspezifische Kategorien und eine, die der Bedeutung des Öffentlichen
Raumes als Handlungsraum Rechnung trägt.
Den einzelnen Kategorien lassen sich in kürzester Zeit eine Fülle an vorhandenen Projekte und Initiativen zuordnen. Diese Masse bringt aber auch die vielfältigen und zum Teil konträren Ansprüche an den Öffentlichen Raum zum Ausdruck. Gerade an der Kategorie "Aktivitäten" zeigt sich das existierende Konfliktpotenzial besonders eindrucksvoll. Handelt es sich doch um den Bereich, der die Bürger als Nutzer des städtischen Raumes unmittelbar betrifft. Die Frage für welche Aktivitäten der Öffentliche Raum genutzt werden darf, und wenn ja, in welchem zeitlichen Rhythmus, ist immer wieder Streitpunkt zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen. Die Auswahl der genehmigten Veranstaltungen im Öffentlichen Raum spiegelt auch die Haltung der Stadt gegenüber den unterschiedlichsten Nutzer- und Interessensgruppen wider - ist also auch ein Zeichen für Toleranz und Interesse gegenüber dem Fremden und dem Andersdenkenden, der Anerkennung des Öffentlichen Raumes als Ort für jedermann. Wem obliegt die Reglementierung der Ausnutzung des Öffentlichen Raumes? Welche Kriterien spielen hier eine Rolle? Ein Beispiel hierfür ist die entbrannte Diskussion um die Nutzung des Schlossplatzes oder des Karlsplatzes. In der Kategorie "Verkehr und Infrastruktur" steht die Sicherung bzw. der Ausbau der bestehenden Verkehrs(Park-)räume der Bedeutung des Öffentlichen Raumes als Bewegungs- und Aufenthaltsraum gegenüber. Beispiel Planung Büchsenstrasse, Spielstrasse Hasenbergstrasse
Hinter der immens großen Vielzahl von vorhandenen Ideen, Projekten und Aktivitäten im und für den Öffentlichen Raum steht ein hohes bürgerschaftliches Engagement, ausgeprägtes ortspezifisches Wissen und lokale Verbundenheit. Dennoch existiert eine spürbare Unzufriedenheit. Die Akteure fühlen sich vielfach ungehört, haben keinen konkreten Ansprechpartner seitens der Stadtverwaltung und agieren ohne die nötige Aufmerksamkeit. Das Engagement droht zu verpuffen.
Auch seitens der Stadtverwaltung wird das Fehlen einer entsprechenden Koordinierungsstelle bemängelt. Diese könnte zu einer Vernetzung der agierenden Initiativen untereinander, aber auch mit den Fachleuten in der Stadtverwaltung führen. Über dieses Netzwerk bestände für die Stadt die Möglichkeit Verantwortung und Leistungen an profilierte und engagierte Personen weiterzugeben.
Ein weiteres Ergebnis war die fehlende Einbindung von Planungsprojekten im Öffentlichen Raum in eine übergeordnete, langfristige Strategie. Dies bedeutet, dass jedes anstehende Projekt für sich betrachtet und diskutiert wird - gleich um welchen Aspekt es sich handelt (Finanzen, Gestaltung etc.). Der Öffentliche Raum wird weniger als räumliches Netzwerk betrachtet als vielmehr lokalen Reparaturen unterzogen. Hierzu führt das kaum zu bewältigende Arbeitspensum innerhalb des Planerstabs in der Stadtverwaltung. Den Verantwortlichen bleibt oft nur noch zu reagieren statt zu agieren. Qualitätssichernde Langzeitprogramme aus Frankfurt, Hannover aber auch Lyon und Barcelona zeigen welche Bedeutung eine ganzheitliche Betrachtung und die Entwicklung und Festlegung einer gemeinsame Planungsstrategie haben.
Was leistet in diesem
Zusammenhang ein Stadtplanungsforum? Nächste Schritte?
Die oben kurz angerissenen Gesichtspunkte zielen allesamt auf den Bedarf einer
Vermittlungsebene ab - planerisch als auch kommunikativ. Im Themenschwerpunkt
Öffentlicher Raum könnte sich das Stadtplanungsforum hier platzieren. Als Kommunikationsplattform
wirkt das Stadtplanungsforum nach innen wie nach außen. Es nimmt gleichermaßen
Stellung zu aktuellen Planungsprojekten und formuliert eigene Beiträge.
Wie könnte sich diese Plattform entwickeln? Die Arbeitsgruppe "Öffentlicher Raum" zeigt hierzu Möglichkeiten auf.
Dreiphasige Veranstaltungsreihe
Erster Schritt: interner
Informationsaustausch
Im April 2002 gibt es einen internen Erfahrungstransfer. Verschiedene der bereits
angesprochenen lokalen Initiativen, wie auch Vertreter der Stadtverwaltung präsentieren
ihre Projekte. Diese Vermittlung von Informationen und lokalem Wissen trägt
wesentlich zur Bildung eines öffentlichen Problembewusstseins bei und ist Grundlage,
um wirkungsvolle Diskussionen anzuregen und zu kultivieren.
Gleichermaßen werden erste
Impulse für ein anzustrebendes Netzwerk "Öffentlicher Raum" gegeben, da unterschiedlichste
Einzelprojekte zusammengebracht und Kräfte gebündelt werden. Mögliche Referenten
wären:
"Stuttgart zu Fuß"
- Dipl.-Ing. Helmut Witt - Lokale Agenda, Fachkonferenz Verkehr, Arbeitsgruppe
Fußverkehr
"Stadtraum der Bürger" - Josef Wiest - Lokale Agenda, Bürgerinitiativen
"Kinderräume" - Veronika Kienzle - KinderKulturVerein Stuttgart
"Grünkorridore Stuttgarter Kesselbereich" - Gunther Hägele - Landeshauptstadt
Stuttgart, Stadtplanungsamt, Abt. Grünordnungsplanung
"Platzkonzepte", "Stuttgarter Lichtkonzept" u.a. - Hans H. Pfeiffer - City-Initiative
Stuttgart e.V., City-Manager
"Stadtraum ist Erlebnisraum" - Vertreter der IHK
"Entwicklung eines Neuordnungskonzepts mit Bürgerbeteiligung" Diplomarbeit zum
Planungsprozess Südheimer Platz - Dipl.-Geogr. Cornelia Schultz-Khan - Universität
Stuttgart, Institut für Geografie Entwurf
"Plätze in Stuttgart" - Wolf Reuter, Universität Stuttgart
Zweiter Schritt: externe
Anregungen und Erfahrungen
Im Juni 2002 kommen die Impulse dann von außen. Vertreter aus anderen Stadtverwaltungen
berichten über ihre Projektprogramme für den und im Öffentlichen Raum:
München - Messestadt München-Riem
Frankfurt - "Schöneres Frankfurt"
Hannover - "Hannover schafft Platz"
Diese innovativen Beispiele zeigen das Spektrum an Möglichkeiten, machen Mut zur Entwicklung und Umsetzung eines eigenen Programms und weisen deutlich auf den Erfolg und die Notwendigkeit eines derartigen Weges hin. Die Einbindung unterschiedlichster Personen (Bürger, Künstler, Planer etc.) verteilt die Verantwortung für den Öffentlichen Raum auf mehrere Schultern.
Die Beispiele laden zu direkter Information vor Ort ein. sehen ist einprägsamer als hören - Informationsausflüge wären denkbar.
Dritter Schritt: interdisziplinärer
Workshop
Interaktion Das gewonnene
Wissen und die gesammelten Erfahrungen sollen im September 2002 in einem interdisziplinären
Workshop vernetzt und weiterentwickelt werden. Gemeinsam werden Ideen und Strategien
für den Stuttgarter Öffentlichen Raum formuliert. Über den Workshop tritt das
Stadtplanungsforum in die Öffentlichkeit und nimmt einen aktiven Part ein.
Innerhalb des Workshops besteht die Freiheit zwischen planungsgebundenen Fragestellungen und "freien" Ideen zu agieren und so aus den Zwängen des konkreten Planungsalltags herauszutreten. Eine Anlehnung an aktuelle Themen und konkrete Aufgabe trägt jedoch mit Sicherheit zu einer Präzisierung der Ergebnisse bei und verhindert eine Ausuferung der Diskussion. Ein fachlicher Begleiter und Diskussionsleiter stellt die Ergebnisse und Beiträge in einen Gesamtzusammenhang.
Möglichst vielfältig sollte
der Teilnehmerkreis zusammengesetzt sein:
Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger
Vertreter aus der Wirtschaft
Vertreter aus der Stadtverwaltung und der Politik (Gemeinderat)
Vertreter aus der lokalen Kunstszene, Kunstbetriebe, Kunstschaffende
Stuttgarter Landschaftsarchitekt(in)nen
Stuttgarter Architekt(inn)en und StadtplanerInnen
Stuttgarter Designer und Fotografen
Stuttgarter Geografen
Vertreter von Stuttgart-Marketing GmbH
Vertreter der City-Initiative Stuttgart e.V.
Eine andere Vorgehensweise wurde in dem Workshopgespräch der Gruppe "Öffentlichen Raum" angeregt: Den dreistufigen Prozess nicht hintereinander zu schalten, sondern parallel zu behandeln. So dass eine ständige Verknüpfung von Darstellung und Präsentation - dem "Informationsinput" - direkt in Aktivität und Umsetzung einfließen kann - "Output". Dahinter steckt der Gedanke, dass der dreistufige Ablauf eine aktive Phase zu lange ausschließt.
raumbureau
Christine Baumgärtner, Jochem Schneider
Stuttgart, im Dezember 2001